iToverDose/Hardware· 5 JULI 2026 · 16:34

Deutschlands 60.000-Spiele-Archiv: 1,5 Mio. Euro Förderung scheitert

Nach sechs Jahren und über 60.000 gesammelten Spielen endet das Internationale Computerspielesammlung-Projekt (ICS) in Deutschland. Die staatliche Finanzierung von 1,5 Millionen Euro lief aus – und eine Verlängerung war nicht in Sicht. Jetzt steht die Zukunft des größten öffentlich zugänglichen Videospiel-Archivs auf dem Spiel.

Tom's Hardware3 min0 Kommentare

Die Internationale Computerspielesammlung (ICS) galt einst als eines der ehrgeizigsten Projekte zur Bewahrung digitaler Kultur in Deutschland. Doch nun wird das Archiv mit über 60.000 Spielen, darunter Titel auf Kassette, Diskette, CD, DVD und Blu-ray, sowie Manuals und Verpackungen, nach sechs Jahren Laufzeit geschlossen. Der Grund: Die staatliche Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro endete Ende April und wurde nicht verlängert.

Ein einzigartiges Archiv vor dem Aus

Seit 2012 sammelten das Computerspielemuseum Berlin, die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle), der Branchenverband Game und die Universität Potsdam gemeinsam Titel aus aller Welt. Das Projekt startete mit dem Ziel, die größte öffentlich zugängliche Sammlung von Videospielen zu schaffen. Der digitale Katalog ging 2019 online und umfasste zunächst Zehntausende Einträge.

Die physischen Bestände blieben bei den beteiligten Institutionen. Doch ob die gemeinsame Datenbank und ihre technische Infrastruktur erhalten bleiben, ist aktuell unklar. Laut GamesWirtschaft prüfen die Verantwortlichen derzeit rechtliche und technische Optionen für eine mögliche Weiterführung. Ein automatischer Transfer der Daten an eine andere Einrichtung oder eine kommerzielle Nutzung sind jedoch nicht ausgeschlossen.

Warum die Förderung scheiterte

Die Finanzierung stammte ursprünglich vom Berliner Senat sowie dem Bundeskommissar für Kultur. Doch die Verantwortung für die Spielepolitik lag ab 2025 beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Dieses sah in einer dauerhaften institutionellen Förderung keine wirtschaftlich tragfähige Lösung – trotz des enormen Aufwands, den die Erhaltung der Sammlung erfordert.

Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hatte bereits Anfang 2024 deutlich gemacht, dass eine Finanzierung über April hinaus nicht gesichert sei. Die Entscheidung fällt zudem in eine Zeit, in der die Bedeutung von Spielesammlungen für die Forschung und Kultur immer stärker in den Fokus rückt. Eine Studie der Video Game History Foundation und Software Preservation Network aus dem Jahr 2023 ergab, dass 87 % aller klassischen US-Spiele vergriffen und kommerziell nicht mehr verfügbar sind. Die Überlebensrate liegt damit sogar unter der von Stummfilmen aus der frühen Kinoära.

Urheberrecht und neue Herausforderungen für Fan-Archive

Während offizielle Projekte wie die ICS an politischen und finanziellen Hürden scheitern, kämpfen Fan-Archive mit anderen Problemen. Myrient, eine der größten frei zugänglichen Sammlungen mit über 385 Terabyte an Spielen, stand kurz vor der Abschaltung, da steigende Preise für RAM, SSDs und Festplatten – getrieben durch die KI-Nachfrage – die Betriebskosten in die Höhe trieben. Doch durch das Engagement von Freiwilligen konnte die Sammlung vollständig gesichert und als Torrent bereitgestellt werden.

Auch die Urheberrechtslage erschwert die langfristige Archivierung. Im Oktober 2024 lehnte das US-Copyright Office zum vierten Mal seit 2015 einen Antrag auf eine DMCA-Ausnahme ab, die Bibliotheken die Weitergabe archivierter Spiele an entfernte Forscher ermöglichen würde. Die Entscheidung fiel zugunsten der Entertainment Software Association, die sich gegen eine Lockerung der Regeln aussprach.

Sony beendet physische PlayStation-Scheiben – die Zukunft der Archivierung wird noch schwieriger

Die Schließung der ICS fällt mit einer weiteren, einschneidenden Entwicklung zusammen: Sony hat offiziell bestätigt, die Produktion physischer PlayStation-Scheiben im Jahr 2028 einzustellen. Diese Entscheidung macht künftige Archivierungsprojekte noch komplexer, da digitale Kopien von Spielen ohne physische Datenträger kaum noch zugänglich sind. Gleichzeitig verlieren Sammler und Forscher eine wichtige Quelle für originale Spielversionen.

Die Zukunft der ICS-Datenbank und ihrer Infrastruktur bleibt ungewiss. Sollte keine Lösung gefunden werden, droht eine der größten öffentlich zugänglichen Sammlungen digitaler Spiele in Deutschland für immer verloren zu gehen – ein Verlust für Forschung, Kultur und Gaming-Enthusiasten gleichermaßen.

Die Frage bleibt: Wer übernimmt die Verantwortung für den Erhalt digitaler Kulturgüter, wenn weder Staat noch Wirtschaft dazu bereit sind?

KI-Zusammenfassung

Almanya'nın 60.000 oyunluk ICS projesi €1.5 milyonluk devlet desteğinin kesilmesiyle kapandı. Sony'nin fiziksel PlayStation disk üretimini durdurmasıyla oyun arşivleri daha da kırılgan hale geldi.

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