iToverDose/Hardware· 7 JULI 2026 · 18:35

Südkoreas 880-Milliarden-Dollar-Chip- und KI-Plan: Energie und Wasser als zentrale Herausforderungen

Mit einem Zehn-Jahres-Investitionsplan von 880 Milliarden Dollar will Südkorea seine Position als globaler Chip- und KI-Riese ausbauen. Doch die ambitionierten Fab-Projekte stoßen an Grenzen: Strom- und Wasserversorgung hinken hinterher – und die Zeit wird knapp.

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Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat am 29. Juni ein ehrgeiziges Infrastrukturprogramm für Halbleiter, KI-Datenzentren und Robotik vorgelegt. Der Gesamtumfang von umgerechnet 880 Milliarden Dollar soll über zehn Jahre verteilt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden Megakomplexe für Chipfabriken in Gyeonggi-do: der im Bau befindliche Yongin Semiconductor National Industrial Complex, in dem Samsung und SK hynix ihre Kapazitäten bündeln. Die beiden Konzerne begleiteten die Ankündigung mit einer deutlichen Botschaft: Samsung erwartet bereits 2026 einen Jahresgewinn seiner Chip-Sparte, der die Summe aller bisherigen Gewinne der vergangenen 40 Jahre übersteigen wird.

Doch während die Fabriken immer schneller entstehen, fehlt es an zwei kritischen Ressourcen: Energie und Wasser. Ohne diese Infrastruktur droht das Projekt zu scheitern – trotz der Rekordgewinne der Branche.

Ein Stromdefizit von mehreren Gigawatt belastet die Umsetzung

Der geplante Yongin-Komplex wird bei voller Auslastung voraussichtlich 15 bis 16 Gigawatt an Strom benötigen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa 25 % des gesamten Strombedarfs der Metropolregion Seoul, die aktuell nur über etwa 1,9 Gigawatt lokale Kapazitäten verfügt. Eine Studie des National Assembly Research Service warnt jedoch, dass von den benötigten 15 Gigawatt derzeit nur etwa 6 Gigawatt gesichert sind – bei Samsung fehlen noch 3 Gigawatt, bei SK hynix sogar 3 von 6 Gigawatt.

Das Problem: Südkoreas Stromerzeugung konzentriert sich an den Küsten. Während im Osten Atom- und Flüssiggas-Kraftwerke (LNG) dominieren, stammen im Südwesten regenerative Energien aus der Region Honam. Die Chipfabriken liegen jedoch inland, nahe Seoul. Die staatliche Versorgungsgesellschaft KEPCO versucht, diese Distanz mit einem 1.153 Kilometer langen Hochspannungsnetz zu überbrücken – ein Projekt mit einem Budget von 37 Billionen Won und einer geplanten Fertigstellung bis 2036. Doch die Vergangenheit zeigt: Solche Vorhaben sind anfällig für Verzögerungen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Bukdangjin-Sintangjeong-Leitung, deren Bau 22 Jahre dauerte. Die Kostenexplosion belief sich auf 1,17 Billionen Won, und allein die Standortauswahl nahm über ein Jahrzehnt in Anspruch. Noch problematischer ist die geplante Donghaean-Dongseoul-Hochspannungsleitung, die 8 Gigawatt Strom aus dem Osten transportieren soll. Doch lokale Widerstände verzögern das Projekt: Die Stadt Hanam lehnte 2024 den Ausbau eines Umspannwerks ab, was die Pläne gefährdet.

Beschleunigte Fab-Eröffnung verschärft die Energiekrise

Die Dringlichkeit zeigt sich an den vorgezogenen Fertigstellungsterminen: SK hynix verschob den Bau seiner vierten Fab im Yongin-Komplex um zwölf Jahre von 2045 auf 2033. Das Unternehmen investiert zusätzlich 712,5 Milliarden Dollar in südkoreanische Standorte, darunter Cheongju für NAND-Flash und den Yongin-Komplex für DRAM. Doch die Stromleitungen kommen nicht mit: Die Fabriken entstehen schneller als die Infrastruktur, die sie versorgen soll.

Als Übergangslösung plant die Regierung sechs LNG-Kraftwerke im Yongin-Komplex mit einer Kapazität von zunächst 3 Gigawatt, die später auf 10 Gigawatt ausgebaut werden könnten. Doch sowohl Samsung als auch SK hynix haben sich verpflichtet, bis 2050 zu 100 % erneuerbare Energien zu nutzen. Eine Forderung der regierenden Demokratischen Partei, die LNG-Pläne zu streichen, könnte die Gemengelage weiter verkomplizieren.

Wassermangel als zweite große Hürde

Ein moderner Halbleiter-Produktionsstandort verbraucht täglich bis zu 100.000 Tonnen Wasser. Der Yongin-Komplex wird bei Vollauslastung voraussichtlich 800.000 Tonnen pro Tag benötigen. Die Versorgung soll in drei Phasen erfolgen:

  • Ab 2031 etwa 200.000 Tonnen täglich aus dem Paldang-Stausee und aufbereitetem Abwasser
  • Ab 2034 soll die Kapazität auf 600.000 Tonnen steigen – doch genau hier liegt das Problem: SK hynix‘ vierte Fab soll bereits 2033 in Betrieb gehen, ein Jahr vor Fertigstellung der geplanten Pipeline.

Lokale Konflikte verzögern den Bau zusätzlich. Die Städte Yeoju und Hanam blockieren Genehmigungen für neue Wasserleitungen, eine Grundsteinlegung wurde bereits abgesagt. Noch kritischer ist die Situation im geplanten südwestlichen Cluster bei Gwangju, wo Wasser noch knapper ist: Die Flüsse Yeongsan und Seomjin führen nur etwa die Hälfte der Wassermenge des Han-Flusses, der Yongin versorgt. Bestehende Verträge für die Seomjin- und Juam-Staustufen sind bereits vollständig ausgeschöpft. Vier neue Fabriken in der Region würden täglich 430.000 Kubikmeter Industriewasser benötigen – doch Prognosen der Regierung sagen bereits für 2030 ein jährliches Defizit von 219 Millionen Kubikmetern in der Yeongsan-Region voraus, noch bevor die Fabriken überhaupt Wasser entnehmen.

Rekordgewinne finanzieren die Chip-Offensive – doch die Zeit drängt

Die Finanzierung des Megaprojekts basiert auf den aktuellen Boomjahren der Branche. Samsung veröffentlichte am 7. Juli vorläufige Zahlen für das zweite Quartal 2026: Ein operativer Gewinn von 89,4 Billionen Won (58,4 Milliarden Dollar) bei einem Umsatz von 171 Billionen Won – ein 19-facher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Die Chip-Sparte allein erzielte im ersten Quartal 53,7 Billion Won Gewinn und übertrifft damit die kumulierten Gewinne der vergangenen vier Jahrzehnte. Kim Yong-kwan, Präsident der Samsung Device Solutions Division, betonte in einer internen Veranstaltung am 3. Juli, dass der Gewinn der Chip-Sparte 2026 die gesamte bisherige Unternehmenshistorie übertreffen werde.

Auch SK hynix schreibt schwarze Zahlen: Für 2025 meldete das Unternehmen einen Rekordgewinn von 47,21 Billionen Won und löste damit Samsung als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Südkoreas ab. Um die Expansion zu finanzieren, plant SK hynix eine Nasdaq-Notierung mit einem Volumen von bis zu 29 Milliarden Dollar, das in Yongin, Cheongju und EUV-Technologie fließen soll. Die hohen Gewinnmargen resultieren aus gestiegenen Vertragspreisen, insbesondere bei DRAM-Chips, die 2026 weiter an Wert gewonnen haben.

Doch die Frage bleibt: Können die Gewinne die Lücken in der Infrastruktur schließen? Während die Fabriken entstehen, fehlt es an Stromleitungen und Wasserleitungen – und die lokalen Widerstände wachsen. Südkorea steht vor der Herausforderung, seine technologische Führungsrolle zu sichern, ohne dabei die Grenzen seiner Ressourcen zu sprengen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob das Land diesen Spagat schafft, bevor die Zeit für die geplanten Projekte abläuft.

KI-Zusammenfassung

Güney Kore’nin yarı iletken ve yapay zeka yatırımlarına yönelik 880 milyar dolarlık planı, enerji ve su kaynaklarındaki ciddi eksikliklerle karşı karşıya. Samsung ve SK hynix’in hızlandırılmış projeleri altyapıyı zorluyor.

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