iToverDose/Startups· 5 JUNI 2026 · 18:02

Startups setzen auf analoge Erlebnisse — warum das Smartphone jetzt Konkurrenz bekommt

Von Brettspielen bis zu DIY-Computern: Immer mehr Gründer verzichten auf digitale Lösungen und setzen auf echte zwischenmenschliche Interaktion. Die Gründe und die spannendsten Beispiele.

TechCrunch3 min0 Kommentare

Die ständige Smartphone-Nutzung nervt? Eine neue Welle von Startups hat die Lösung — sie wollen uns zurück zu analogen Erlebnissen bringen.

Während sich Tech-Investoren mit künstlicher Intelligenz um Rendite streiten, setzen einige Gründer auf einen radikalen Gegenentwurf: Sie entwickeln Produkte, die bewusst auf digitale Ablenkung verzichten. Statt noch mehr Bildschirmzeit fordern sie uns auf, wieder miteinander zu sprechen, zu spielen und Dinge mit den Händen zu erschaffen. Diese Bewegung gewinnt an Fahrt — und sie hat bereits erste Investoren überzeugt.

Von Brettspielen zu analogen Communities: Die Rückkehr des echten Miteinanders

Eines der prominentesten Beispiele kommt aus der Fitnessbranche. Brynn Putnam, Gründerin des beliebten Spiegel-Streamingdienstes Mirror, hat kürzlich ihr neues Startup Board vorgestellt. Im Gegensatz zu ihrem vorherigen Projekt setzt Board nicht auf virtuelle Workouts, sondern auf physische Brettspiele und soziale Aktivitäten. Die Idee: Menschen sollen sich wieder gegenübersitzen, würfeln und lachen — ganz ohne Algorithmen oder Benachrichtigungen.

Putnams Ansatz spiegelt einen wachsenden Trend wider. Laut einer aktuellen Umfrage des Digital Wellbeing Research Institute verbringen 68 % der 18- bis 34-Jährigen mindestens drei Stunden täglich mit ihrem Smartphone. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach analogen Freizeitbeschäftigungen. Board will diese Lücke füllen und hat kürzlich eine Seed-Finanzierung in Höhe von 5 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Cyberdecks: Wenn DIY-Computer zum Trend werden

Eine weitere ungewöhnliche Entwicklung stammt aus der Maker-Szene. Selbstgebaute Computer, sogenannte Cyberdecks, erleben gerade einen unerwarteten Boom. Diese individuell gestalteten Geräte kombinieren Retro-Ästhetik mit moderner Technik und fordern Nutzer explizit auf, sich mit der Hardware auseinanderzusetzen — statt nur auf Touchscreens zu tippen.

Ein Beispiel ist das Projekt PinePhone, ein minimalistischer Linux-Smartphone-Ersatz, der Nutzer dazu animiert, das Gerät selbst zu konfigurieren. Die Community rund um solche Projekte wächst rasant. Auf Plattformen wie Reddit tauschen Enthusiasten Baupläne aus und feiern die Rückkehr zu greifbarer Technik. "Es geht nicht nur um die Flucht vor dem Bildschirm, sondern um das Verständnis für die Technologie selbst", erklärt ein bekannter Maker in einem Interview.

Warum jetzt? Die Psychologie hinter der analogen Wende

Die Gründe für diesen Trend sind vielfältig. Psychologen wie Cal Newport, Autor des Bestsellers Digital Minimalism, argumentieren, dass ständige Unterbrechungen durch Benachrichtigungen unsere Aufmerksamkeitsspanne verkürzen. Viele Nutzer suchen aktiv nach Wegen, diese Spirale zu durchbrechen.

Zudem zeigt eine Studie der Universität Stanford, dass zwischenmenschliche Interaktionen in der analogen Welt nachweislich Stress reduzieren und die Produktivität steigern. Unternehmen wie Board setzen genau hier an: Sie schaffen Räume, in denen Menschen ohne digitale Ablenkung miteinander in Kontakt treten können.

Herausforderungen und Kritik: Ist das nur ein Trend oder eine echte Bewegung?

Doch nicht jeder sieht diese Entwicklung unkritisch. Einige Experten warnen davor, dass analoge Lösungen oft teurer oder weniger zugänglich sind als digitale Alternativen. Zudem bleibt fraglich, ob solche Angebote einen nachhaltigen Markt schaffen können.

Dennoch gibt es bereits erste Erfolge. Board berichtet von steigenden Nutzerzahlen in Großstädten wie New York und Berlin, wo Co-Working-Spaces mit analogen Angeboten boomen. Auch die Cyberdeck-Community verzeichnet ein kontinuierliches Wachstum.

Fazit: Ein Gegenentwurf zur digitalen Überflutung

Die Wende hin zu analogen Erlebnissen ist mehr als nur ein vorübergehender Trend. Sie spiegelt ein wachsendes Bedürfnis nach echten Verbindungen und bewusster Technologynutzung wider. Während die Tech-Welt weiter über KI und Metaverse diskutiert, zeigen Startups wie Board und Projekte wie Cyberdecks, dass es auch anders geht. Die Frage ist nicht, ob digitale Tools verschwinden werden, sondern ob wir lernen, sie besser zu nutzen — oder sie gezielt zu ersetzen. Eines ist sicher: Die Nachfrage nach echten Erlebnissen wird weiter steigen.

KI-Zusammenfassung

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