iToverDose/Technologie· 11 JUNI 2026 · 18:01

Rätselhafte Bestattungen: Eisenzeitliche Briten entfernten Gehirne der Toten?

Archäologen entdeckten in Schottland seltsame Spuren an 2000 Jahre alten Skeletten: Schädelbrüche und bearbeitete Knochen deuten auf ungewöhnliche postmortale Praktiken hin. Was verraten uns diese Funde über die Rituale der Eisenzeit?

Ars Technica2 min0 Kommentare

Vor rund 2.000 Jahren lebten die Menschen in der heutigen schottischen Region Loch Borralie ein Leben, das sich stark von unserem heutigen unterschied. Doch ihre Bestattungspraktiken werfen bis heute Fragen auf. Bei Ausgrabungen in einem bronzezeitlichen Grabhügel stießen Archäologen 2000 auf Überreste zweier Individuen – eine erwachsene Frau und ein Jugendlicher. Die jüngste Untersuchung dieser Funde, veröffentlicht im Fachblatt Antiquity, enthüllt nun ungewöhnliche Details: An den Knochen fanden sich Anzeichen für gezielte Schädelbrüche und möglicherweise entfernte Gehirne.

Ungewöhnliche Spuren an eisenzeitlichen Skeletten

Die Überreste wurden in einem Steinhügel bei Loch Borralie entdeckt, nachdem Erosion einen menschlichen Schädel freigelegt hatte. Eine detaillierte osteoarchäologische Analyse sowie Isotopen- und DNA-Untersuchungen brachten Erstaunliches zutage. Die Radiokarbon-Datierung der Backenzähne beider Individuen datiert ihren Tod auf den Zeitraum zwischen 50 v. Chr. und 70 n. Chr. Damit gehören sie in die späte Eisenzeit, eine Epoche, in der die Region kulturell stark mit dem europäischen Festland verbunden war.

Besonders auffällig: Beim Schädel des Jugendlichen fanden die Forscher einen ungewöhnlichen Bruch am Schädelgrund. Solche Verletzungen entstehen typischerweise bei Hochgeschwindigkeitsaufprallen – etwa durch Stürze, Schläge oder sogar Hinrichtungen. Allerdings passte das Muster nicht zu den typischen Verletzungsmustern dieser Szenarien. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass der Bruch gezielt herbeigeführt wurde, möglicherweise als Teil eines Rituals. Zudem wiesen beide Schulterblätter "perimortale Frakturen" auf, also Brüche, die kurz vor oder nach dem Tod entstanden.

Bearbeitete Knochen: Werkzeuge oder Ritualgegenstände?

Neben den Schädelverletzungen stießen die Archäologen auf weitere Besonderheiten. Die Knochen beider Individuen zeigten Bearbeitungsspuren, die auf eine gezielte Nutzung hindeuten. So waren einige Röhrenknochen – vermutlich von Armen oder Beinen – angeschärft, als wären sie zu Werkzeugen verarbeitet worden. Ähnliche Funde aus anderen Regionen Europas deuten darauf hin, dass postmortale Manipulationen von Leichen in der Eisenzeit keine Seltenheit waren.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Menschen dieser Zeit Knochen nicht nur als Alltagsgegenstände nutzten, sondern auch zu rituellen Zwecken verarbeiteten. In einigen Fällen wurden Schädel oder andere Knochen zu Schmuckstücken umfunktioniert oder sogar mumifiziert. Die neuen Erkenntnisse aus Loch Borralie erweitern nun das Bild dieser Praktiken. Sie legen nahe, dass die Entfernung von Gehirngewebe möglicherweise Teil eines komplexen Bestattungsrituals war – sei es aus religiösen, sozialen oder praktischen Gründen.

Was verraten uns diese Funde über die Eisenzeit?

Die Funde aus Loch Borralie werfen ein neues Licht auf die Bestattungskultur der eisenzeitlichen Briten. Sie zeigen, dass die Menschen dieser Epoche nicht nur einfache Gräber anlegten, sondern ihre Toten aufwendig vorbereiteten. Ob die Bearbeitung der Knochen rein praktischen Zwecken diente oder ob sie eine tiefere symbolische Bedeutung hatte, bleibt vorerst unklar.

Die Studie betont zudem die Bedeutung der Region als kulturellen Knotenpunkt. Die Isotopenanalysen deuten darauf hin, dass die beiden Individuen möglicherweise aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten stammten. Dies unterstreicht die Rolle Schottlands als Schnittstelle zwischen den britischen Inseln und dem europäischen Festland in der späten Eisenzeit.

Die nächsten Schritte der Forschung könnten darin bestehen, weitere Gräber dieser Art zu untersuchen und zu prüfen, ob ähnliche Praktiken auch an anderen Orten nachgewiesen werden können. Sollten sich die Hinweise auf Gehirnentfernung und Knochenbearbeitung bestätigen, könnte dies unser Verständnis der eisenzeitlichen Gesellschaften grundlegend verändern.

Eines ist jedoch sicher: Die Menschen der Eisenzeit hinterließen uns mehr Rätsel als Antworten – doch ihre Spuren geben uns wertvolle Einblicke in eine längst vergangene Welt.

KI-Zusammenfassung

İskoçya'nın kuzeybatısındaki Loch Borralie kazılarında bulunan kalıntılar, İron Çağı Britanyalıları'nın ölüm sonrası beyin çıkarma uygulamasına dair kanıtlar sundu. Detaylı analizler ve bulgular hakkında bilgi edinin.

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