Single Sign-On (SSO) ist heute ein Muss für jedes B2B-Unternehmen – doch die tatsächlichen Kosten bleiben oft im Dunkeln. Während viele Anbieter SSO als Standardfeature anbieten, schlagen zusätzliche Gebühren für Verbindungen und Provisionierung zu Buche. Eine aktuelle Analyse vergleicht die Preismodelle von Auth0, WorkOS und Clerk und zeigt, wie schnell aus versteckten Kosten echte Mehrkosten entstehen können.
Warum SSO-Gebühren oft unterschätzt werden
Der sogenannte „Feature-Steuer“-Effekt beschreibt, wie Anbieter für Funktionen aufrufen, die eigentlich bereits in der Infrastruktur enthalten sind. Bei SSO wird dieser Mechanismus besonders deutlich: Während einige Anbieter die Grundgebühr für Benutzer in den Vordergrund stellen, fallen zusätzliche Kosten für SAML-Verbindungen und SCIM-Provisionierung an, sobald Unternehmen wachsen. Diese Posten werden selten transparent kommuniziert, obwohl sie die Gesamtkosten maßgeblich beeinflussen.
Ein Beispiel: Bei einem mittelgroßen Unternehmen mit 1.000 aktiven Nutzern pro Monat können die jährlichen SSO-Kosten zwischen 300 und 3.000 US-Dollar variieren – je nach Anbieter und Nutzungsszenario. Die Unterschiede entstehen nicht durch technische Mehrwerte, sondern durch unterschiedliche Preismodelle, die oft erst bei genauerem Hinsehen erkennbar sind.
Drei Szenarien: Wie sich SSO-Kosten entwickeln
Die tatsächlichen Ausgaben für SSO hängen stark von der Unternehmensgröße und der Anzahl der Integrationen ab. Drei typische Szenarien verdeutlichen die Bandbreite der Kosten:
Szenario 1: Erstes Enterprise-Kundenprojekt (ca. 1.000 MAU)
Ein neu gegründetes Unternehmen mit einem ersten großen Kunden, der SSO und automatische Benutzerprovisionierung verlangt, steht vor folgenden Optionen:
- Authagonal: 29 US-Dollar pro Monat (inkl. SSO und SCIM) → 319 US-Dollar pro Jahr
- Clerk: 25 US-Dollar pro Monat (erste SSO-Verbindung kostenlos) → 300 US-Dollar pro Jahr
- WorkOS: 125 US-Dollar pro Monat für SSO und SCIM → 3.000 US-Dollar pro Jahr
- Auth0: Kostenlose SSO-Integration im Free-Plan (bis 25.000 MAU)
In dieser Phase fallen die Unterschiede noch moderat aus. Auth0 und Clerk bieten günstige Einstiegsoptionen, während WorkOS bereits hier mit hohen Gebühren punktet.
Szenario 2: Mehrere Enterprise-Kunden (ca. 10.000 MAU)
Mit wachsender Kundenbasis steigen auch die SSO-Anforderungen. Drei SAML-Verbindungen mit SCIM-Provisionierung führen zu folgenden Kosten:
- Authagonal: 149 US-Dollar pro Monat → 1.639 US-Dollar pro Jahr
- Clerk: 175 US-Dollar pro Monat (inkl. drei SSO-Verbindungen) → 2.100 US-Dollar pro Jahr
- WorkOS: 375 US-Dollar pro Monat für drei Verbindungen → 9.000 US-Dollar pro Jahr
Hier zeigt sich bereits, wie stark sich die jährlichen Kosten zwischen den Anbietern unterscheiden. Während Authagonal und Clerk weiterhin im vierstelligen Bereich bleiben, vervielfachen sich die Gebühren bei WorkOS.
Szenario 3: SSO als Standardanforderung (ca. 50.000 MAU)
Bei zehn Enterprise-Kunden mit jeweils eigenen SSO-Anforderungen wird die Kostenfrage entscheidend:
- Authagonal: 339 US-Dollar pro Monat → 3.729 US-Dollar pro Jahr
- Clerk: 700 US-Dollar pro Monat (inkl. zehn SSO-Verbindungen) → 8.400 US-Dollar pro Jahr
- WorkOS: 1.250 US-Dollar pro Monat für zehn Verbindungen → 30.000 US-Dollar pro Jahr
Der Vergleich offenbart eine dramatische Diskrepanz: Die jährlichen SSO-Kosten von WorkOS übersteigen die Gesamtkosten von Authagonal um mehr als das Achtfache. Dabei umfasst das Authagonal-Paket nicht nur SSO und SCIM, sondern auch Multi-Faktor-Authentifizierung, Audit-Logs und Markenoptionen.
Auth0s besonderes Modell: Kostenlos, aber mit Einschränkungen
Auth0s jüngste Preisanpassung hat für Aufmerksamkeit gesorgt: Im Free-Plan sind SSO und SCIM bis 25.000 MAU inklusive. Doch dieser Vorteil relativiert sich, sobald Unternehmen zusätzliche Verbindungen oder erweiterte Funktionen benötigen. Die scheinbar kostenlose Lösung kann schnell teuer werden, wenn die Standardgrenzen erreicht werden.
Ein kritischer Punkt ist die Skalierung: Während Auth0s Free-Plan für Startups attraktiv erscheint, fallen bei wachsender Nutzerzahl oder mehreren Kundenverbindungen plötzlich zusätzliche Gebühren an. Die vermeintliche Ersparnis schmilzt dann zusammen – besonders im Vergleich zu Anbietern mit transparenten, nutzungsbasierten Modellen.
Fazit: Transparenz ist entscheidend
Die Analyse zeigt, dass SSO-Kosten nicht nur von der Nutzerzahl abhängen, sondern auch von der Anzahl der Verbindungen und der gewählten Preismodelle. Unternehmen sollten bei der Auswahl eines SSO-Anbieters nicht nur auf die Grundgebühr achten, sondern auch auf versteckte Posten wie SAML-Verbindungen und SCIM-Provisionierung. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind oft größer als vermutet – und können über Jahre hinweg erhebliche Summen einsparen oder zusätzliche Kosten verursachen.
Wer heute ein SSO-System einführt, sollte langfristige Skalierbarkeit und Kostentransparenz priorisieren. Die Wahl des falschen Anbieters kann nicht nur das Budget belasten, sondern auch technische Abhängigkeiten schaffen, die später nur schwer zu ändern sind.
KI-Zusammenfassung
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