Die Ära günstiger Smartphones neigt sich dem Ende zu – zumindest für den Moment. Durch eine beispiellose Verknappung von Arbeitsspeicher und Flash-Speicher steigen die Herstellungskosten für Einsteigergeräte so stark an, dass viele Hersteller ihre Produktion in diesem Segment drastisch reduzieren oder sogar einstellen. Laut einer aktuellen Analyse des Marktforschungsunternehmens Omdia wird sich die weltweite Auslieferung von Smartphones unter 400 Euro in diesem Jahr um über 22 % verringern. Der gesamte Smartphone-Markt schrumpft dadurch um 12 % im Vergleich zum Vorjahr.
Warum Speicher der neue Flaschenhals für günstige Handys ist
Der Grund für diesen dramatischen Wandel liegt in der Bill of Materials (BOM), also den reinen Materialkosten eines Geräts. Speicherchips, insbesondere DRAM und NAND-Flash, machen inzwischen bis zu 64 % der Gesamtkosten eines Ultra-Budget-Smartphones aus. Noch vor einem Jahr belief sich dieser Anteil auf etwa 30 %. Der enorme Anstieg ist auf eine gezielte Umleitung der Produktionskapazitäten zurückzuführen: Große Halbleiterhersteller wie SK hynix, Samsung und Micron verlagern ihre begrenzten Fertigungsressourcen zugunsten von High Bandwidth Memory (HBM). Dieser Speichertyp wird vor allem für KI-Rechenzentren benötigt und erzielt deutlich höhere Margen als Standard-DRAM für Konsumerelektronik.
Die Folgen sind gravierend. Da die Nachfrage nach HBM die verfügbaren Produktionskapazitäten übersteigt, bleibt für herkömmliche Speicherchips kaum noch Platz auf den Wafern. Für Hersteller von Einstiegshandys bedeutet das: Selbst wenn sie die Speicherkapazität ihrer Geräte reduzieren, können sie die gestiegenen Kosten nicht umgehen. Die Folge sind entweder deutlich höhere Verkaufspreise oder massive Einschnitte bei anderen Komponenten.
Lieferketten unter Druck: Chinesische Hersteller ziehen sich zurück
Besonders betroffen sind chinesische Hersteller wie Xiaomi, OPPO, Vivo und Transsion, die traditionell auf den Einstiegsmarkt setzen. Laut Omdia-Analyst Zaker Li haben diese Unternehmen keinen Spielraum mehr für Kostensenkungen, ohne ihre ohnehin schon dünnen Gewinnmargen zu gefährden. Die Preise für Einstiegsgeräte steigen daher rasant: Ein Smartphone, das vor einem Jahr noch 150 Euro kostete, wird heute für 220 Euro angeboten. Doch während Premium-Kunden höhere Preise eher akzeptieren, reagieren Käufer im Niedrigpreissegment extrem sensibel auf solche Aufschläge. Die Nachfrage bricht ein – und die Hersteller ziehen sich aus dem Segment zurück.
Einige Unternehmen haben bereits konkrete Maßnahmen ergriffen:
- Reduzierung der Speicherkapazität: Statt 6 GB RAM werden nun nur noch 4 GB verbaut, um Kosten zu sparen.
- Verzicht auf hochauflösende Displays: Ältere LTPS-OLED-Panels ersetzen moderne LTPO-OLED-Bildschirme, um bis zu 5 Euro pro Einheit einzusparen.
- Rückgriff auf ältere Prozessoren: Statt neuer System-on-Chip-Lösungen werden Vorgängermodelle verwendet, was die Chipkosten um bis zu 40 % senkt.
- Vereinfachung der Kamerasysteme: Der Verzicht auf Weitwinkel- oder Makroobjektive oder die Verwendung kleinerer Sensoren spart weitere Kosten.
Premium-Geräte als letzte Bastion – aber auch sie werden teurer
Während der Einstiegsmarkt kollabiert, bleibt der Markt für Smartphones über 400 Euro überraschend stabil. Omdia prognostiziert sogar ein Wachstum von 5,7 % in diesem Segment. Doch auch hier sind die Hersteller gezwungen, kreative Lösungen zu finden, um die steigenden Speicherkosten abzufedern. Da der Prozessor in hochpreisigen Geräten nach wie vor den größten Kostenfaktor darstellt, setzen sie auf ältere Chipsätze. Zudem werden Luxusmaterialien wie Titanrahmen oder Spezialgläser weiterhin verbaut, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibt.
Selbst Top-Modelle wie das iPhone 17 Pro oder das Samsung Galaxy S26 Ultra sind von den steigenden Speicherpreisen betroffen. Zwar machen Speicherchips hier nur einen kleineren Anteil der Gesamtkosten aus, doch die Hersteller geben die Mehrkosten direkt an die Kunden weiter. Für Premium-Käufer bedeutet das: Sie zahlen nicht nur für Innovation, sondern auch für die globale Speicherkrise.
Wann endet die Durststrecke? Die Zukunft bleibt ungewiss
Die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung der Lage ist trügerisch. Zwar haben Regierungen und Halbleiterhersteller erste Schritte eingeleitet, um die Produktionskapazitäten für Standard-Speicher zu erhöhen. Südkorea etwa plant eine 10-Jahres-Investition in Höhe von 870 Milliarden Euro, um die heimische Halbleiterindustrie zu stärken. Doch bis diese Maßnahmen greifen, wird es noch Jahre dauern. Bis dahin bleibt die Speicherkrise ein zentrales Hindernis für erschwingliche Smartphones – und ein Albtraum für Hersteller und Käufer gleichermaßen.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer auf ein neues Einstiegs-Smartphone wartet, sollte Geduld haben. Die Preise werden vorerst nicht sinken, und die Auswahl an günstigen Modellen schrumpft weiter. Wer heute ein neues Handy braucht, muss bereit sein, entweder mehr zu zahlen oder auf ältere Modelle auszuweichen.
KI-Zusammenfassung
Bütçe akıllı telefon pazarı, bellek fiyatlarının %64’e ulaşmasıyla çöküş yaşıyor. Xiaomi, OPPO ve Vivo gibi markalar neden ucuz modellerden vazgeçiyor? Tüketiciler neleri beklemeli? Ayrıntılar burada.



