Cloud-Plattformen bieten unterschiedliche Ansätze für die Verwaltung von Organisationen und Benutzern. Während AWS mit AWS Organizations und AWS Identity Center arbeitet, setzt GCP auf Google Cloud Organization und Organization Policies. Ein genauer Blick auf die Funktionsweise – und wo die Unterschiede liegen.
Organisationsstruktur: AWS mit Account-Hierarchie vs. GCP mit Ressourcen-Hierarchie
AWS: Flexible Multi-Account-Strategie mit AWS Organizations
AWS nutzt das Dienst AWS Organizations, um eine zentrale Steuerung mehrerer AWS-Konten (Accounts) unter einem Dach zu ermöglichen. Die Basis bildet das sogenannte Management Account – auch Hauptkonto genannt. Dieses fungiert als administratives Steuerungszentrum für die gesamte Organisation.
Wichtige Komponenten der AWS-Organisation:
- Organisationseinheiten (OUs):
Diese ermöglichen eine hierarchische Gruppierung von Konten. OUs können verschachtelt werden, und Richtlinien (SCPs) werden von übergeordneten Ebenen vererbt. Beispiel: Eine Abteilung wie Entwicklung könnte eine eigene OU bilden, die wiederum Unter-OUs für Teams enthält.
- Kontenverwaltung:
Neue Unterkonten lassen sich direkt aus dem Management Account heraus erstellen – ohne manuelle Eingabe von Zahlungsdaten. Die Abrechnung erfolgt zentral über das Management Account (Consolidated Billing).
- Service Control Policies (SCPs):
Diese Richtlinien definieren die maximal zulässigen Aktionen in einem Konto. Ein Explicit Deny in einer SCP überschreibt selbst Root-Benutzerrechte. SCPs können auf drei Ebenen angewendet werden:
- Root-Ebene: Gilt für alle Konten der Organisation.
- OU-Ebene: Gilt für alle Konten innerhalb einer Organisationseinheit.
- Kontoebene: Gilt nur für ein einzelnes Konto.
Sicherheitstipp: Das Management Account sollte ausschließlich für administrative Aufgaben und Abrechnung genutzt werden. Für den täglichen Betrieb empfiehlt sich die Verwendung separater Konten.
GCP: Organisation als Root der Ressourcen-Hierarchie
Bei Google Cloud ist die Google Cloud Organization der Ausgangspunkt aller Ressourcen. Im Gegensatz zu AWS muss sie nicht explizit erstellt werden – sie existiert automatisch, sobald ein Projekt angelegt wird.
Kernmerkmale der GCP-Organisation:
- Ordner (Folders):
Diese dienen der Gruppierung von Projekten und Ressourcen, ähnlich wie OUs in AWS. Allerdings sind Ordner rein hierarchisch strukturiert und haben keine eigenen Richtlinien.
- Organisation Policies:
Diese Richtlinien ersetzen SCPs aus AWS und legen globale Einschränkungen für Ressourcen fest. Beispiele sind die Festlegung erlaubter Regionen oder die Deaktivierung öffentlicher IP-Adressen.
- Keine explizite Kontenverwaltung:
GCP nutzt keine Multi-Account-Strategie wie AWS. Stattdessen werden Ressourcen direkt über die Organisation verwaltet. Projekte sind die kleinste Einheit und können mit verschiedenen Benutzerkonten verknüpft werden.
Hinweis: Während AWS auf Konten setzt, arbeitet GCP mit einer flacheren Hierarchie, die auf Projekte und Ordner basiert.
Benutzerverwaltung: AWS Identity Center vs. GCP Identity Federation
AWS: Zentrale Identitätsverwaltung mit AWS Identity Center
AWS Identity Center (ehemals AWS SSO) dient als zentrale Plattform für die Verwaltung von Benutzern und deren Zugriff auf AWS-Konten und Anwendungen. Es ist eng mit AWS Organizations verknüpft und wird nur im Management Account aktiviert.
Funktionen im Überblick:
- Single Sign-On (SSO):
Mitarbeiter greifen über ein zentrales AWS Access Portal auf alle berechtigten Konten zu – ohne manuelles Rollenwechseln. Jede Organisation erhält eine einzigartige URL für den Zugriff.
- Benutzer- und Gruppenverwaltung:
Identity Center ermöglicht die Erstellung und Verwaltung von Benutzern sowie Gruppen. Alternativ lässt sich die Integration mit externen Identitätsanbietern (IdP) wie Azure AD, Okta oder Google Workspace einrichten.
- Permission Sets:
Diese vordefinierten Berechtigungspakete ersetzen die manuelle Erstellung von IAM-Richtlinien. Beispiel: Ein Developer-Permission-Set könnte Lesezugriff auf S3 und EC2 bieten.
- Unterstützung für Drittanbieter-Anwendungen:
Neben AWS-Konten können auch SaaS-Anwendungen wie Salesforce oder Slack über Identity Center angebunden werden.
Wichtig: Permission Sets werden ausschließlich in Identity Center verwaltet, während SCPs in AWS Organizations konfiguriert werden – die Trennung der Verantwortlichkeiten ist entscheidend.
GCP: Externe Identitätsquellen und Workforce Identity Federation
Google Cloud setzt nicht auf eigene Benutzerkonten, sondern bindet externe Identitätsquellen ein:
- Google Accounts:
Standardmäßig nutzen Mitarbeiter ihre persönlichen oder unternehmensweiten Google-Konten.
- Cloud Identity oder Google Workspace:
Diese Dienste ermöglichen die zentrale Verwaltung von Benutzern und Geräten innerhalb der Organisation.
- Workforce Identity Federation:
Für die Integration mit externen IdPs wie Azure AD oder Okta ist eine Federation erforderlich. Diese ermöglicht es, bestehende Identitäten ohne lokale IAM-Konten zu nutzen. Nach der Authentifizierung bei einem externen IdP wird ein temporäres Token generiert, um auf GCP-Ressourcen zuzugreifen.
Tipp: Die Federation reduziert den Verwaltungsaufwand, da keine zusätzlichen Benutzerkonten in GCP erstellt werden müssen.
Direkter Vergleich: Wo liegen die Unterschiede?
| Kriterium | AWS | GCP | |-----------------------------|---------------------------------------------|---------------------------------------------| | Organisationsmodell | Hierarchie aus Konten (Multi-Account) | Hierarchie aus Projekten und Ordnern | | Richtlinienkontrolle | Service Control Policies (SCPs) | Organization Policies | | Benutzerverwaltung | AWS Identity Center (SSO + Federation) | Externe IdPs (Federation oder Google Workspace) | | Zentralisierung | Management Account + Identity Center | Organisation als Root der Ressourcen | | Flexibilität | Hohe Anpassbarkeit durch OUs und SCPs | Einfachere Struktur, aber weniger granular |
Fazit: Welche Plattform passt zu Ihrem Unternehmen?
Die Wahl zwischen AWS und GCP hängt stark von Ihren Anforderungen ab. Unternehmen, die eine starke Kontenhierarchie und feingranulare Richtlinien benötigen, profitieren von AWS Organizations und Identity Center. Hier lassen sich komplexe Strukturen mit mehreren Abteilungen und Teams abbilden.
GCP hingegen eignet sich besonders für Organisationen, die eine einfachere Hierarchie bevorzugen und ihre Identitäten über bestehende Systeme wie Google Workspace oder Azure AD verwalten möchten. Die Integration mit externen IdPs ist nahtlos möglich, allerdings mit weniger Steuerungsmöglichkeiten.
Unabhängig von der Plattform gilt: Eine klare Strategie für Organisation und Benutzerverwaltung ist entscheidend, um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten. Die Entscheidung sollte daher nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch fundiert sein.
KI-Zusammenfassung
Compare AWS Organizations with GCP’s native structure and Identity Center with Google Workspace for smarter multi-account cloud management.
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